Was ist RCS - Retinopathia centralis serosa?

RCS - Retinopathia centralis serosa ist eine sehr seltene, nicht schmerzhafte degenerative Erkrankung der Netzhaut (= Retinopathia). Sie geht meistens mit einem Verlust an Sehschärfe und häufig mit starken Sehverzerrungen (siehe Bilder) einher und kann bei chronischem Verlauf zum Verlust des zentralen Sehvermögens führen (= centralis). Ursache ist die Einlagerung bzw. das Eindringen von Flüssigkeit unter die netzhaut (= serosa). Dadurch wird es z.B. unmöglich zu lesen, fern zu sehen, zu nähen und Auto zu fahren. RCS - Retinopathia centralis serosa führt allerdings nicht zur totalen Orientierungslosigkeit, da "nur" das zentrale Sehfeld betroffen ist.

Bei 80% aller Erkrankungen bildet sich das gebildete Ödem innerhalb von Monaten spontan zurück. Die Rückfallrate liegt mit 40% (auch beim Partnerauge!) sehr hoch. Interessanterweise erkranken fast nur Männer im Alter zwischen 20 und 50 Jahren an RCS - Retinopathia centralis serosa. Die Altersspitze lt. Umfrage im Forum liegt zwischen 30 und 35 Jahren.

Wie kommt es zu RCS - Retinopathia centralis serosa?

Einige der folgenden Angaben sind aus verschiedenen Schriften und Veröffentlichungen entnommen. Die Verfasser mögen mir manche Fehlübersetzung der medizinischen Fachbegriffe und aufgrund dessen die bewusste Nichtnennung Ihrer Namen verzeihen.

Die genaue Ursache für RCS - Retinopathia centralis serosa ist weiterhin unbekannt. Es gibt Anzeichen, dass RCS mit hohen Cortisolwerten im Blut zu tun hat. Laut Aussage der behandelnden Uniklinik ist es fast erwiesen.

Was führt zu hohen Cortisolwerten?

  • Cortisolhaltige Medikamente (Salben, Nasentropfen usw.) Viel Kaffee
  • Exzessives Verhalten (Diäten, Leistungswahn usw.)
  • Leistungssport (Extremsport)
  • Negativer Stress (manche Studien zeigen: RCS Patienten haben ein Stressaubbau-Problem)
  • Adrenalinhaltige Spritzen beim Zahnarzt
  • Zeitnot, Druck
  • Schokolade in Massen

Cortisol ist ein wichtiges Hormon in unserem Körper. Es erreicht den höchsten Wert kurz nach dem Aufstehen um uns mit tiefen Werten ins Bett zu begleiten. Nachts sinkt der Wert weiter ab. Cortisol kümmert sich auch um die Bekämpfung von allergischen Reaktionen, ist entzündungshemmend usw.

Cortisol regelt die Blutzuckerwerte und steuert die adrenergenen Prozesse im Körper. Es zeichnet sich ab, dass ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel und damit verbunden die erhöhte Ausschüttung von Catecholamiden zur Entwicklung von RCS - Retinopathia centralis serosa beiträgt.

RCS Patienten könnten also an dauerhaft hohen Cortisol Werten erkrankt sein. Zur Zeit laufen Studien hierzu. RCS Patienten sollten daher unter allen Umständen steroidale Medikamente vermeiden.

Wie bildet sich das Ödem bei RCS-Retinopathia centralis serosa?

Zuerst kommt es durch Verschlechterung der arteriellen Durchblutung im Auge zu einer Minderdurchblutung, gefolgt von einer Stauung, welche wahrscheinlich über einen Gewebeverschluss bzw. -verengung der abführenden Blutgefäße bewirkt wird. Durch die eintretende Gewebeschädigung der Aderhautgefäße kommt es dann zu einer erhöhten Durchlässigkeit in diesem Gebiet und zur Ansammlung von Flüssigkeit und Plasmaproteinen unter der Netzhaut (Pigmentblattabhebung). Das führt zu der typischen, in der Fluoreszenzangiographie sichtbaren Leckstelle.

In manchen Fällen bricht zusätzlich die Barrierefunktion des Pigmentepithels zusammen (wie bei mir im Januar 2004). Ob diese Schrankenstörung durch den programmierten Zelltod im Pigmentepithel oder durch mechanischen Druck der angestauten Flüssigkeit verursacht wird, ist noch ungeklärt.

Das sieht dann so aus:

Andere Theorien über die Entstehung von RCS

1. Störung in der Autoregulation des Blutflusses der Aderhautgefäße: Die Durchblutung der Aderhautgefäße wird u.a. auch über die Freisetzung von Prostaglandinen (das sind die Fieber- , Schmerz- und Entzündungsbotenstoffe im Körper), die beide eine Erweiterung der Gefäße bewirken, gesteuert. Kortison und Adrenalin greifen in die Produktion dieser Substanzen ein und scheinen so die Autoregulation zu beeinflussen:

Man fand bei Patienten, die mit Corticosteroiden (Kortison, Schmerzmittel) behandelt wurden eine Häufung der RCS-Erkrankungen. Die Kortisonfreisetzung wird unter anderem auch durch Adrenalin beeinflusst.

2. Man fand bei Tierexperimenten mit Schweinen eine direkte Wirkung von Adrenalin am Pigmentepithel. Je nach Konzentration des Adrenalins trat Apoptose (programmierter Zelltod, eigentlich ein normaler Vorgang in unserem Körper, nur nicht hier an dieser Stelle) auf. Also könnte ein dauerhaft hoher Adrenalinspiegel zum vorzeitigen Zelltod in betroffenen Regionen führen, die dann permeabel (also durchlässig) werden. Apoptose (ein interessanter Link: http://www.ukammann.de/apoptose) ist ein adrenergener Prozess.

3. Es gibt auch die folgende Theorie: Die Pumpen für den Flüssigkeitsabtransport unter dem Pigmentepithel, - ein ebenfalls u.a. Adrenalin-abhängiger Prozess-, werden zur Umkehr des Transportwegs gebracht. Die Flüssigkeit wird unter die Retina gepumpt anstatt über die Aderhaut abtransportiert zu werden. So sammelt sich Flüssigkeit unter der Retina an.

Fazit

Allen Theorien ist eines gemeinsam: Man geht von einer Störung des vegetativen Nervensystems durch gesteigerte Catecholaminausschüttung aus. Was das ist? Also: Die Bezeichnung "Catecholamine" entstammt vom ortho-Diphenol sowie dem Brenzcatechin (engl. catechol). Dopamin, Adrenalin (A) und Noradrenalin (NA) sind o-Diphenole mit einer Aminogruppe in der Seitenkette.

© Volker Sommerfeld 1999 - 2010