Havel bei Bredereiche

Infrarot - Eine andere Welt

Infrarotaufnahmen bestechen durch eine surreale Farbdarstellung. Die intensive Weißdarstellung von Chlorophyll haltigem Blattwerk ermöglicht zusammen mit den "Normalfarben" grauer Ansichten (Burgen, Schlösser, Ruinen) fantastische Kompositionen.

Die folgenden Übersichten beschreiben, wie ich bei der Infrarotfotografie vorgehe. Die Informationen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sollen zum Nachmachen anregen.

Die Infrarot Fotografie gibt es nicht erst seit der Erfindung der digitalen Kamera. In der analogen Welt fotografiert man auf Infrarotfilm und benutzt dazu noch einen Orange oder Rotfilter. Mit der digitalen Fotografie sollten wir es einfacher haben. Trotzdem sind die erzielten Ergebnisse bedingt durch den Nachbearbeitungsaufwand nicht immer exakt zu planen.

Der Artikel über die Infrarot-Fotografie gliedert sich in mehrere Teile, die sich über diese Seite hinziehen. Untenstehend die Artikelübersicht, die man auch als Hupfer missbrauchen kann.

Für Kommentare und Zuschriften zu diesem Thema würde ich mich sehr freuen. Bei jeder Infrarot Session entdecke ich neue Dinge und ich bin mir sicher, noch lange nicht das i-Tüpfelchen aus den Aufnahmen herausgekitzelt zu haben.


Kamera auf Infrarottauglichkeit prüfen

Wir brauchen eine stinknormale Fernbedienung und unsere Kamera. Alles was wir fotografieren wollen ist die Infrarot-LED.

So soll es aussehen, hier aufgenommen mit einer Nikon Coolpix 4300, Belichtungszeit 1 Sekunde. Alles klar, die Kamera passt und wir haben die erste Hürde auf dem steinigen Weg zur IR Fotografie genommen.

Nicht jede Digitalkamera ist für die Infrarot Fotografie geeignet. Grund hierfür ist ein so genanntes IR Sperrfilter, welches vor jedem Sensor sitzt. Damit soll die Schärfe des CCDs verbessert werden, da tieffrequentes Licht anders gebrochen wird und somit einen anderen Fokuspunkt verlangen würde. Eigentlich blöd für unser Anliegen, aber schauen wir mal, ob wir schummeln können... Nun, unsere D200 und auch die D300 fällt hier leider durch den Fernbedienungstest.

Wir positionieren Kamera und Fernbedienung gegenüber in einem nicht zu hellen Umfeld. Die Kamera wird in den manuellen Modus geschaltet und eine Belichtungszeit von ca. 1 Sekunde gewählt. Jetzt drücken wir flugs die Lieblingstaste auf der Fernbedienung und machen ein Foto.


Was wir so alles brauchen: Ausrüstung

Infrarotfilter

Ich benutze den Hoya R72, ein 720nm Infrarotfilter. Dieser Filter lässt noch ein wenig sichtbares Licht durch, sodass die Aufnahmen durchaus noch ein wenig "normale" Farben tragen. Noch dunklere Infrarotfilter wie das B+W 093 erzeugen einen noch kräftigeren Effekt, allerdings ist das Endergebnis zwingend schwarz-weiß.

Sonnenblende und AF-Objektiv

Das Hoya R72 Filter neigt sehr stark zu Linsenreflektionen und daher empfehle ich den Einsatz einer Objektivsonnenblende.

Mit dem IR-Filter vor der Linse sieht man nix mehr im Sucher, daher kann man nicht manuell scharfstellen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Fokuspunkt sich mit einem Infrarotfilter verschiebt, so dass man sich nicht auf die Entfernungsangaben auf dem Objektiv verlassen kann. Der Autofokus mit dem AF Nikkor 18-70mm klappt hervorragend.

Stativ

Bei Belichtungszeiten von weit über 1/15 Sek. versteht sich der Einsatz eines Statives von allein. Aber im Allgemeinen renne ich für Naturaufnahmen sowieso immer mit meinem Stativ draußen rum ...


Motivwahl

Das ist ein weites Feld. Fotos wirken in "Infrarot" anders als in "Natur". Fotos von Gebäuden, Wegen, Brücken, Treppen u.ä. in Zusammenhang mit Mutter Natur wirken am besten. Einfach ausprobieren! Besonders gefallen mir Infrarotbilder von Simon Marsden (er hat Infrarotfilm benutzt) über englische Spukschlösser. Eine wahrhaft fantastische Bildreihe.

Untenstehende Bilder zeigen zum Vergleich eine gleiche Szene ohne IR Filter und mit IR Filter + Nachbearbeitung. Mehr Infrarot-Bilder gibt es in der Galerie.

So, dann gehen wir mal raus in die Natur und starten unsere ersten Versuche!


Vorbereitungen zur ersten Aufnahme

Die nachfolgenden Erläuterungen beziehen sich immer auf meine persönlichen Erfahrungen mit der Nikon D70. Ich gehe aber davon aus, dass sich die Angaben hier auch auf andere Modelle übertragen lassen.

Obenstehendes Foto entstand bei ca. 25 Grad Celsius. Also, meine schönsten Aufnahmen habe ich bisher bei Temperaturen über 25 Grad gemacht.

Die Sonne sollte nicht senkrecht stehen, sondern durch die Blätter der Bäume fluten und zwischen 45 und 315 Grad zur optischen Achse unseres Objektivs stehen. Am besten eignen sich die lauen Abendstunden eines schönes Sommertages. Die Bäume stehen gut im Saft und reflektieren das Infrarot-Licht hervorragend.


Weißabgleich

Ganz wichtig ist der Weißabgleich, um ein ansprechendes Ergebnis zu erhalten. Mit der Automatik kommen wir hier nicht weiter, es sei denn, wir wollen knallrote Bilder unser Eigen nennen.

Die Nikon D70 bietet die Möglichkeit an, den Weißpunkt durch das Messen des vorherrschenden Lichtes einzustellen. Und genau dass sollten wir tun. Es bieten sich auf jeden Fall Laubbäume, Wiesen und die obligatorische Graukarte an. Wichtig ist, beim Abgleich mindestens 1-2 Sekunden zu belichten, da wir auch unsere Aufnahmen später so lange belichten werden. Belichten wir beim Einmessen zu kurz, haben wir später einen Farbstich.

Ganz kurz wie es geht:

  • WB Taste drücken, gedrückt halten und mit dem hinteren Einstellrad auf die Einstellung PRE wählen.
  • WB Taste loslassen und erneut für ca. 2 Sek drücken, bis PRE im LCD Display blinkt.
  • In den manuellen Modus schalten, Belichtungszeit von ca. 1 Sek und Blende 7.1 einstellen.
  • Auslösen und auf OK Signal warten.
  • Fertig!

Der richtige Weißabgleich ist entscheidend für das spätere "Abschneiden" unserer Aufnahme. Ein Farbstich lässt sich schwer entfernen.


Es wird ernst: Die erste Aufnahme

Jetzt wird es ernst. Wir haben unsere komplette Ausrüstung in die Landschaft geschleppt und alles aufgebaut. Die Einstellung des Bildausschnitts erledige ich ohne Infrarotfilter. Ich sehe nämlich sonst nix im Sucher.

Wir sollten jetzt unbedingt eine Belichtungsreihe machen. Ich benutze oft Blende 7.1 oder kleiner (bis 16) und beginne mit einer Belichtungszeit von 1 Sekunde. Man kann ziemlich genau am Monitorbild erkennen, ob die Aufnahme richtig belichtet wurde. Zeigen sich cyan-eingefärbte Bereiche, haben wir es mit der Belichtungszeit zu gut gemeint, Gibt es keine "Cyano" Bereiche, können wir die Belichtungszeit weiter erhöhen (siehe Beispielbilder)


Die Nachbearbeitung

Unsere Aufnahmen sind im Kasten und mit Vobiko (wehe nicht!) auf den heimischen Rechner geladen. Jetzt geht es um die Nachbearbeitung. Und die muss sein.

1. Standard: Bildausschnitt wählen, stürzende Linien, schiefer Horizont ....

Nun, um es vorwegzunehmen, meine Stative haben keine Wasserwaage dran und mit meinem Augenfehler mache ich immer schiefe Aufnahmen.

Stürzende Linien mag ich ebensowenig. Also folgt erstmal die übliche Bearbeitung in drei Schritten: Horizont geraderichten (Hintergrund in Ebene umwandeln und dann drehen), Wahl des Bildausschnitts und Zuschnitt im nächsten Arbeitsschritt. Hände weg von Kontrast und anderen schlimmen Dingen! Das kommt später.

2. Tonwertkorrektur

Unsere Infrarotaufnahmen sind grundsätzlich (trotz Belichtungsreihe) zu dunkel. Durch eine Tonwertspreizung erreichen wir, dass der gesamte Bereich verfügbarer Tonwerte genutzt wird.

Ich erledige die Spreizung im RGB Kanal per Hand. Natürlich geht es auch automatisch, aber selbst ist der Mann .... Augen auf bei der Spreizung, dass helle Bereiche nicht zulaufen, dass täte unseren schönen Bäumen unrecht.

3. Farbinfrarot: Kanäle tauschen

Für ein prima Farb-Infrarot Bild müssen wir jetzt den Kanal Rot mit dem Kanal Blau tauschen. Fotoline hat extra einen Befehl "Kanäle tauschen", im Photoshop machen wir das mit dem Kanalmixer. Wir rufen den Kanal Rot auf, setzen Rot auf 0%, Blau auf 100% und wählen anschließend den Kanal Blau. Hier setzen wir Rot auf 100%, Blau auf 0%.

Der Effekt liefert schon fast das gewünschte Ergebnis. Oftmals müssen wir noch ein wenig Restrot aus den Blättern entfernen. Falls wir eher ein Schwarz-Infrarot machen wollen, reduzieren wir die Sättigung auf 0. Voila!

4. Restrot aus den Blättern entfernen, Helligkeit und Kontrast anpassen. Schärfen.

Wir wählen den Befehl "Farbton-Sättigung und entscheiden uns für die Farbe Rot (Bearbeiten: Rottöne). Den Sättigungsregler ziehen wir auf 0. Das selbe wiederholen wir mit den Magenta-Tönen. Unsere Blätter sind jetzt strahlend weiß, wie mit Persil gewaschen. Jetzt wird es Zeit, noch am Kontrast zu schrauben. Ob mit der Gradationskurve oder mit den entsprechenen Kontrast- und Helligkeitsreglern kann jeder selbst entscheiden.

Zum Schluss lassen wir den "Unschärfe maskieren" Befehl noch dezent über unser Bild gleiten. Fertig!!

© Volker Sommerfeld 1999 - 2010